
Die Geschichte eines Bildes
Das Department auf dem äußersten
Zipfel der Bretagne heißt Finistere - von "finis terrae" - hier ist
das Land zu Ende.
Danach kommen noch einige Inseln, die letzte heißt Ile de Quessant. Und ihr im
Westen vorgelagert eine Felsklippe "la Vielle Jument" zu Deutsch: Alte
Stute.
Die See ist oft stürmisch im Herbst. Auch am 21.12.1989. Das richtige Wetter
für Jean Guichard um seine Fotos zu machen. Im Hubschrauber nähert er sich dem
Leuchtturm und schießt aus nächster Nähe seine Fotos. Das Meer überspült
die Klippen vollständig. Ein Mann im Anorak, eine Hand in der Tasche vergraben,
öffnet die Türe. Die Welle, die sich von hinten nähert, kann er nicht sehen.
Erst als ihm die Gischt die Sicht nimmt, flüchtet er in den Turm zurück.
"Ich war neugierig und wollte nachschauen, als ich den Lärm des
Hubschraubers hörte". erzählt Théodore Malgorn. "Wäre ich nur
einen Augenblick länger geblieben, die Wogen hätten mich mitgerissen".
Wäre Guichard nicht im Hubschrauber herangeflogen, wäre Malgorn nicht vor die
Tür getreten, und es wäre für ihn wohl ein gewöhnlicher Sturm geblieben, ein
vielleicht etwas stärkerer Sturm, aber einer, den man aus dem Fenster
betrachtet. So aber wurde es der Sturm seines Lebens, der Sturm, bei dem er dem
Tod von der Schippe sprang.
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